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Reise 6/2017

Die schönsten Bahnstrecken

Mit der fairkehr-Redaktion unterwegs auf Schienen durch besondere Landschaften, auf Strecken mit herrlichem Ausblick und auf Verbindungen mit ganz persönlichen Erinnerungen

Ein grüne Deutschlandkarte auf der schöne Bahnstrecken eingezeichnet sind: Hamburg – Binz, Gießen – Koblenz, Köln – Mainz, Offenburg – Konstanz, Köln – Siegen, München – Füssen
Ein grüne Deutschlandkarte auf der schöne Bahnstrecken eingezeichnet sind: Hamburg – Binz, Gießen – Koblenz, Köln – Mainz, Offenburg – Konstanz, Köln – Siegen, München – Füssen

Wer einmal mit dem Zug das Mittelrheintal durchquert oder mächtige Alpengipfel wie die Zugspitze passiert hat, weiß, dass sich auf Schienen die schönsten Landschaften Deutschlands entspannt erfahren lassen. Natürlich ist unsere fairkehr-Auswahl subjektiv. Wahrscheinlich kennt jeder, der viel mit der Bahn in Deutschland unterwegs ist, noch viel mehr Strecken, auf der es sich besonders lohnt, aus dem Zugfenster zu schauen. Oft lassen sich diese Verbindungen mit preiswerten Regionaltickets befahren – als Gruppentickets auch zusammen mit Freunden oder der Familie.

1. Von Hamburg nach Binz

Da ist es endlich, das Meer. Ok, es ist erst der Strelasund, der die Hansestadt Stralsund von der Insel Rügen trennt. Aber der ist ein Vorgeschmack auf die Weite der Ostsee und die Boddengewässer, die Rügen prägen. Der Anblick lässt mich entspannen im Hanse-Express, dem Regionalexpress zwischen Hamburg und Binz auf Rügen. Zuvor bin ich, wie die Deutsche Bahn es in ihrem digitalen Audio-Führer zur Strecke malerisch beschreibt, durch ruhige Dörfer und pulsierende Städte gefahren, habe Wälder, Seen und eiszeitlich geprägte Landschaften passiert. 4 Stunden und 20 Minuten dauert die Reise im Hanse-Express von der Weltstadt in die Kurstadt fahrplanmäßig, mit Umstieg in Rostock. Das günstige Mecklenburg-Vorpommern-Ticket gilt bereits ab Hamburg.

Hinter der Stralsunder Werft quert die Bahn das Meer. Die Regionalexpress-Züge und Intercitys, die die Insel Rügen anfahren, nutzen den alten Rügendamm von 1937, Wasser rechts und links. Beeindruckend ist der Blick auf die Schrägseilkonstruktion der Rügenbrücke, einer Hochbrücke von 2007, die parallel zum Rügendamm verläuft und über die nun die meisten Autos auf die Insel fahren. Auf Rügen ziehen am Fenster grüne Wiesen und kleine Ortschaften vorbei. Bei Lietzow wird die Insel faszinierend schmal. Zwischen zwei Bodden ist lediglich Platz für eine zweispurige Straße mit Radweg und die Bahnschienen. Man schwebt übers Wasser. Auf einer Landzunge zwischen dem Kleinen Jasmunder Bodden und der Ostsee geht es weiter Richtung Binz. Der Inselurlaub beginnt.

Achtung: Wegen Bauarbeiten ist die Bahnstrecke bis zum 14. April 2018 teilweise gesperrt. Das bedeutet mehr Umstiege und längere Fahrtzeiten – vorher informieren! (kl)

Rügen ist auch „Fahrtziel Natur”

An der Hafenfront von Strahlsund stehen Speichergebäude aus rotem Backstein. Im Hafen hat ein großes weißes Segelschiff angelegt.
Die Klickstrecke zur Bahnstrecke, Nr. 1: Ab Stralsund fährt der Hanse-Express auf dem Rügendamm über die Ostsee.
Auf einem steilen Felsen trohnt eine Aussichtplattform über der Lahn. Unten am Fluss verlaufen Bahnschienen. Im Hintergrund ist ein bewaldeter Hang zu sehen.
Strecke 2: Die Lahntalbahn folgt dem Fluss durch Wälder und Felder, passiert dabei Schlösser, Burgen und ein Winzerdorf.
Ein roter Zug fährt auf eine Steinbrücke über die Sieg.
Strecke 3: Mit dem Rhein-Sieg-Express von Köln nach Siegen, den Fluss immer im Blick.
Ein roter Zug fährt bei Hornberg im Schwarzwald über eine Steinbrücke mit geschwungenen Bögen. Im Hintergrund sind die bewaldeten Hänge des Schwarzwalds zu sehen.
Strecke 4: In Hornberg überquert die Schwarzwaldbahn eine spektakuläre Brücke.
Ein grau-gelber Zug der Mittelrheinbahn fährt am Rhein entlang. Im Hintergrund sind eine Burg und ein Weinberg zu sehen.
Strecke 5: Schlösser, Burgen, Winzer­dörfer: Die Mittelrheinbahn fährt stündlich von Köln nach Mainz, immer direkt am Fluss.
Ein roter Zug fährt auf der Strecke von München nach Füssen über grüne Weise an einem See entlang. Im Hintergrund sind die Alpen zu sehen.
Strecke 6: Ins bayerische Voralpenland: Bahnfahren durch eine Bilderbuchidylle.

2. Zwischen Westerwald und Taunus

Oft bin ich Montagmorgens mit dem Zug von Gießen nach Bonn gependelt, die knapp 120 Kilometer bis Koblenz mit der Lahntalbahn am Fluss entlang durch das enge Tal zwischen Westerwald und Taunus. Besonders die Fahrten zwischen Herbst und Frühjahr haben sich mir eingeprägt. Auf den ersten Kilometern, die durch sattgrüne Wiesen und entlang von Badeseen und Teichen führen, war es oft so nebelig, dass ich beim Blick aus dem Fenster kaum weiter als bis zum Rand des Gleisbetts sehen konnte. Von den Wiesen war nur noch der Ansatz zu erkennen, von den Bäumen sah ich nur noch Schemen. An den Stellen, an denen das Tal enger wird, an denen steile Felswände bis an den Fluss heranreichen, der durch die Wälder mäandert, war die Atmosphäre oftmals regelrecht gespenstisch. Doch das konnte sich nach ein paar Kurven bereits wieder ändern – und die Sonne schien auf die Hänge, in denen nur vereinzelte Wölkchen hingen.

Im hessischen Abschnitt ist die gesamte Lahntalbahn ein Kulturdenkmal, im rheinland-pfälzischen Teil sind es einzelne Gebäude. Beispielsweise die über 150 Jahre alten Brücken und Tunnel, deren Portale teilweise wie Burgen mit Türmchen und Zinnen geschmückt sind. Es gibt viele Möglichkeiten, das Lahntal zu entdecken: Der Fluss ist bei Kanufahrern sehr beliebt, und es gibt entsprechend viele Bootsverleiher. Ein Rad- und ein Wanderweg führen am Fluss entlang und zahlreiche Campingplätze bieten Übernachtungsmöglichkeiten.

Wer bei Sonnenschein mit dem Zug durch das Lahntal fährt, erhascht einen Blick auf zahlreiche Burgen und Schlösser. (bk)

3. Vom Rhein ins Siegerland

Bahnfahren kann auch ein Stück Heimat sein. Auf der Strecke zwischen Köln und Siegen fuhren wir täglich ein gutes Stück zur Schule und zurück, nachmittags zu unseren Freundinnen, an manchen Tagen in die Großstadt. So waren wir, die im Siegtal an der Bahn wohnten, Glückskinder. Während der Schulbus die anderen Mitschüler nach Hause kutschierte, und sie nachmittags in ihren Westerwalddörfern festsaßen, freuten wir uns mit der Monatskarte in der Tasche über flexible Fahrten in den roten Schienenbussen oder Eilzügen.

Ob die Bahnstrecke schön ist, fragten wir uns nie. Wenn ich heute mit dem Rhein-Sieg-Express von der Kreisstadt Siegburg aus flussaufwärts in mein Heimatdorf fahre, sehe ich eine grüne Auenlandschaft vorbeiziehen. In engen Schleifen hat sich die Sieg tief in die Landschaft gegraben. Die Steilhänge reichen bis ans Wasser und sind mit dichtem Laubwald bedeckt. Auf der flachen Uferseite säumen Erlen und Weiden den Fluss. Hier wechseln sich Streuobstwiesen und Weiden ab. Manch Bauer hat im November noch sein braungeflecktes Milchvieh draußen stehen.

Die Bahn überwindet das Tal mit vielen Brücken. War die Sieg gerade noch links aus dem Zugfenster zu sehen, fließt sie im nächsten Moment rechts vorbei. Silbern glitzernde Stromschnellen münden in dunkles, glattes Wasser, in dem sich Wälder und Wolken spiegeln. Kurz hinter Siegburg schauen von einem hohen Felssporn Türme und Mauerreste der Burg Blankenberg und der Kirchturm des gleichnamigen Städtchens aus dem Mittelalter hinunter auf den Fluss. Wegen des dichten Taktfahrplans sind Pendler aus Köln und Bonn in die Ortschaften an der Sieg gezogen und haben Fachwerkhäuser vor dem Verfall bewahrt und Gehöfte renoviert.

Das Mittelsiegtal bis zu Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz steht unter Naturschutz. Das Land NRW und die Gemeinden am Fluss haben die Naturregion Sieg mit einem Höhenwanderweg und einem schönen Radweg im Tal perfekt erschlossen. An den Bahnbrücken hängen neue Radwege, die Radfahrern die steilen Anstiege über die Bergrücken ersparen. So können Ausflügler auf dem Fahrrad die Flusslandschaft, in der Eisvögel und Fischreiher zuhause sind, abseits der Straße genießen. Alle Bahnen nehmen Fahrräder mit. Wer will, kann seine Tour oder Wanderung jederzeit am nächsten Bahnhalt enden lassen. Leider hat Rheinland-Pfalz den Radfernweg nicht weitergeführt, weshalb die „Naturregion Sieg” empfiehlt, zwischen Au/Sieg und Mudersbach-Niederschelderhütte die Bahn zu benutzen. (ul)

4. In der Schwarzwaldbahn

Es ist wie bei Hänsel und Gretel: Wer am Bodensee aufwächst, wird früher oder später in den Schwarzwald geschickt. Ich kann mich an viele dieser Fahrten mit der Schwarzwaldbahn erinnern, die von Konstanz quer durch das Mittelgebirge bis Offenburg führen.

Die Fahrt hat etwas von einer mythischen Reise. Aus sanftem Hügelland führt sie ins Hohe und Dunkle, ins Enge und Alte. Zunächst lässt man den Bodensee mit seinem weiten Alpenpanorama hinter sich. Dann fährt man durch den Hegau mit seinen vulkanischen Hügeln und Burgruinen. Hier steigt die Strecke schon unmerklich an. Bald beginnen die Schwarzwaldtäler, die Gleise immer mehr zu umklammern. Auch wenn ich als Kind enttäuscht war, dass der Wald nicht pechschwarz ist: Die Landschaft wird dunkler. Statt Laubbäumen sieht man jetzt nur noch majestätische Kiefern und Fichten. Im Freilichtmuseum in Gutach kann man die traditionellen Schwarzwaldhäuser besichtigen. Aber die Grenzen zwischen Museum und wirklicher Welt verschwimmen im Schwarzwald sowieso.

 Bei Sankt Georgen erreichen wir den höchsten Punkt. Danach schließt sich der schönste Teil der Strecke durch enge Täler an: Nussbach, Triberg, Niederwasser, Hausach. Besonders die Abendfahrten sind mir im Gedächtnis geblieben. Die Strecke steigt und fällt, und der Zug fährt sehr langsam. Wenn es Nacht ist, sieht man das eigene Spiegelbild im Fenster, dahinter die Schemen der Tannen. Auf dem Rückweg dienten mir die Endungen der Orte als Reiseführer: Wenn aus den -achs die -ingens wurden, war ich fast wieder zuhause. (ta)

5. Welterbe Mittelrheintal

Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Welt kommen für diese Bahnfahrten hierher, halten staunend ihre Handys ans Zugfenster und fotografieren Schlösser, Burgen, Rheinromantik. Auf der Strecke südlich von Bonn bis nach Mainz erwarten sie hinter jeder Kurve einzigartige Landschafts- und Kulturdenkmäler. Den Abschnitt zwischen Bingen und Koblenz, das „Obere Mittelrheintal”, hat die UNESCO zum Weltkultur­erbe erklärt. Auf 67 Rheinkilometern gibt es mehr als 40 Burgen, Festungen und Schlösser zu bestaunen. Einen ersten Eindruck bekommen die Reisenden beim Blick aus dem Fenster. So sehen sie die Marksburg, eine unzerstörte Höhenburg aus dem Mittelalter, die Burg Pfalzgrafenstein auf einer Fels­insel im Rhein oder die zur Festung ausgebaute Burg Rheinfels vorbeiziehen.

Immer wieder beeindruckend ist, wie tief der Rhein das nach ihm benannte Rheinische Schiefergebirge durchbrochen hat. An den steilen Felshängen bauten die Bewohner schon vor tausend Jahren Wein auf schmalen Terrassen an. Die Loreley, ein sagenumwobener Fels mit gefährlich enger Durchfahrt für die Schiffer, liegt auf der Strecke – ebenso wie die von den Preußen errichtete Festung Ehrenbreitstein oder das Deutsche Eck mit dem Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. am Zusammenfluss von Rhein und Mosel in Koblenz.

Wer beim Besuch des Rheintals voll auf seine Kosten kommen will, fährt am besten von Köln oder Bonn links­rheinisch flussaufwärts nach Koblenz oder Mainz und rechtsrheinisch wieder zurück. Aussteigen, wandern, Burgen besichtigen, Wein trinken und mit dem nächsten Zug der Mittelrheinbahn im Stundentakt weiterfahren ist im Nahverkehr kein Problem.

Bekannt ist das enge Rheintal leider auch wegen der Klagen seiner Bewohner über Bahnlärm. Auf den Schienen beidseits des Stroms verkehren eben nicht nur die modernen, vergleichsweise leisen Personenzüge. Tags wie nachts donnern Güterzüge unmittelbar an den Häusern der Menschen vorbei. (ul)

6. In die Allgäuer Hochalpen

Mein Herz hüpft jedes Mal aufs Neue und ich will die Kamera zücken, wenn ich aus München Richtung Süden fahre und sich plötzlich die ersten Alpengipfel am Horizont erheben: mal schemenhaft über dem Nebel, mal schneebedeckt vor blauem bayerischen Himmel. Der Zug von München Hauptbahnhof nach Füssen ist hinter Biessenhofen in einer echten Postkartenidylle unterwegs.

Einmal pro Stunde fährt die Regionalbahn aus der bayerischen Metropole ins Allgäu und braucht dafür zwei Stunden. Bei jeder zweiten Verbindung muss man in Buchloe umsteigen, was die Fahrtzeit aber nicht verlängert. Der direkte Regionalexpress ist ein Doppelstockzug mit der besten Aussicht aus der oberen Etage. Wer links in Fahrt­richtung sitzt, kann sogar einen Blick auf das Schloss Neu­schwanstein erhaschen.

In Füssen angekommen steht dem touristischen Glück nichts mehr im Wege: Ein Bummel durch die Stadt am Lech bietet sich an – und natürlich die Busfahrt zu den weltbekannten Königsschlössern sowie unzählige Wanderungen im Voralpenland, um den Hopfen- oder Weißensee. (ul)

Video und Tipps zur Bahnfahrt

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