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Reise 5/2012

Couchsurfing im Datenschutzabseits

Frech! Am 14. September 2012 schrieb das US-amerikanische Gastgebernetzwerk Couchsurfing.org per schlichter Mitteilung „Übrigens, wir haben die Geschäftsbedingungen geändert (...)“ seine AGB um. Die Mitglieder verlieren dadurch jede Kontrolle über persönliche Daten. Die neuen Nutzungsbedingungen ermöglichen es den Betreibern, Telefonnummer, Adresse, Nachrichten oder Fotos uneingeschränkt zu nutzen und an Dritte zu verkaufen. Seinen ideellen, nicht-kommerziellen Status hat Couchsurfing damit endgültig verspielt.

Aber man hätte es ahnen können: Bis Mitte 2011 war Couchsurfing.org als Non-Profit-Organisation registriert und wurde dann ohne vorherige Einverständniserklärung der Nutzer in den Besitz des Unternehmens CouchSurfing Inc. überführt.

Viele Mitglieder sind verärgert. Auf Twitter kommentierte eine Nutzerin: „Couchsurfing will sich in ein weiteres Facebook verwandeln, ein böses, profithungriges Unternehmen ohne Respekt für den Datenschutz seiner Mitglieder.“
Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Peter Schaar, kritisierte das Netzwerk anlässlich zahlreicher Beschwerden deutscher Nutzerinnen und Nutzer in einem offiziellen Schreiben an die für Datenschutzaufsicht zuständige US-Behörde. Schaar hält die neuen AGB von Couchsurfing für inakzeptabel. Nach deutschem und europäischem Datenschutzrecht wären sie unzulässig.

Da das Netzwerk seinen Sitz in USA hat, ist jedoch deutsches oder europäisches Recht nicht anwendbar. Schaar empfiehlt allen Nutzern, ihr Profil zu löschen.
Ob das etwas bringt? Endgültig gelöscht werden die Profile nämlich nicht, nur stillgelegt – die Daten bleiben verwertbar.

Abmelden und wechseln hilft trotzdem. Schließlich steht und fällt der Erfolg sozialer Netzwerke mit denen, die mitmachen. Einige enttäuschte Couchsurfer sind schon zu den gemeinnützig organisierten Platt­­for­men Hospitalityclub (gegründet in Deutsch­land) und Bewelcome (gegründet in Frankreich) gewechselt. Die haben zwar noch keine fünf Millionen Mitglieder, aber das kann ja noch werden.

Protestieren gegen den Datenausverkauf kann man auch per Online-Petition, die Schweizer Couchsurfer. Bis Redaktionsschluss unterzeichneten mehr als 4100 Menschen die ­Beschwerde.        

Valeska Zepp

fairkehr 3/2019