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Editorial 5/2017

Mehr saubere Luft pro Euro

Foto: Marcus GlogerMichael Adler, Chefredakteur

Nachhaltige Mobilität in Städten – so heißt der Mobilitätsfonds, der beim kommunalen Dieselgipfel der Bundesregierung mit einer Milliarde Euro ausgestattet wurde. Danach wurde viel von Elektro-Mobilität und neuen ÖPNV-Fahrzeugen geredet.

Warum fangen wir nicht mit dem Einfachsten an? Wenn die Luft sauberer werden soll und der Dreck nachweislich aus Autoauspuffen kommt, dann sollten wir einfach weniger Auto fahren. Indem wir Fuß- und Radverkehr fördern, die keine Stickoxide, keinen Feinstaub und auch keinen Lärm produzieren. Glücklich fügt sich, dass beide billig zu haben sind. Mit einigen hundert Millionen Euro kann man bei den Mobilitätsarten ohne Motor schon sehr viel bewegen. Und jeder Fußweg und jede Radfahrt, die eine Autofahrt ersetzen, reduziern den Schadstoff- und den CO2-Ausstoß auf Null. Das heißt, wer Rad- und Fußverkehr fördert, bekommt die meiste saubere Luft pro eingesetztem Euro.

Das sieht auch der für Bau und Verkehr zuständige Bürgermeister der badischen Stadt Karlsruhe, Michael Obert, so. Er ist gleichzeitig Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg. Und in dieser Eigenschaft schrieb er einen Brief an die Bundeskanzlerin. Auch er beklagt darin im Namen der 65 Mitgliedskommunen, dass der Radverkehr in der bisherigen Planung des Bundes zu kurz kommt. „Es ist vielmehr notwendig, gute, leistungsfähige und möglichst in allen Effizienz- und Komfortmerkmalen konkurrenzfähige Alternativen zum Kfz-Verkehr anzubieten“, schreibt Obert an Merkel. Und er fordert, bescheidene 250 Millionen aus der einen Milliarde für die kommunale Radverkehrsförderung bereitzustellen.

Das wäre immerhin mehr als eine Verdoppelung der Bundesmittel. Das Bundesverkehrsministerium hat sich bei der Radverkehrsförderung bisher immer sehr zurückgehalten. Begründung: Der Bund sei nicht zuständig.

Das zweite wichtige Standbein einer „nachhaltigen Mobilität“ in unseren Städten und Dörfern ist ein moderner öffentlicher Verkehr. Hybrid- und Elektrobusse, neue leichte Straßenbahnsysteme, müssen perfekt mit dem Rad- und Fußverkehr vernetzt werden. Es geht um neue Linien, wie in Mainz und Ulm, um saubere Busse, und um moderne Fahrradparkhäuser wie in Offenburg. Diese drei Säulen der nachhaltigen Mobilität machen in manchen Städten schon 80 Prozent aller Wege aus. Die restlichen 20 Prozent Autoverkehr sollten Stück für Stück auf E-Antrieb umgestellt werden, gerne als Carsharing organisiert. Eine solche integrierte ressourcenschonende Stadtmobilität wird weltweit in den nächsten drei Jahrzehnten gebraucht. Der Verbrennungsmotor hat so oder so nur noch eine Galgenfrist. Je früher die Bundesregierung allerdings umsteuert, desto besser ist auch die deutsche Autoindustrie auf den Wandel eingestellt.

Karlsruhe hat übrigens geschafft, wovon viele deutsche Städte träumen: unter 40 Mikrogramm Stickoxide im Mittel im Jahr 2016. Grenzwert geschafft. Und das nur am Rande: Bürgermeister Obert ist Mitglied der FDP, die Offenburger Stadtführung ist von der CDU und die sehr aktiven Dezernenten in Mainz und Ulm sind von den Grünen. Jamaika funktioniert auf kommunaler Ebene schon ganz gut.

Michael Adler

fairkehr 5/2017

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