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Titel 2/2013

Gefährlicher Feinstaub

Jede Verringerung von Rußpartikeln in der Luft verlängert das Leben.

Foto: istockphoto.com/FertnigGesunde Ernährung hilft: Kinder, die morgens ein Glas Orangensaft trinken, scheinen einer Studie zufolge besser gegen die gesundheitlichen Folgen von Feinstaub gewappnet zu sein.

Gute Nachrichten zuerst: Feinstaub in der Luft zu reduzieren, lohnt sich. US-amerikanische Forscher untersuchten die Lebenserwartung von Bewohnern zweier Gebiete. In einem hatte sich die Luftqualität in den letzten zehn Jahren verbessert, in dem anderen nicht. Im Gebiet mit der verbesserten Luft stieg die Lebenserwartung.

Die zweite gute Nachricht ist, dass sich jeder gegen die krankmachenden Eigenschaften von Feinstaub wappnen kann, zum Beispiel mit gesunder Ernährung. Das wiesen Forscher bei einem Versuch mit Kindern aus Mexico City nach. Bei Kindern, die morgens ein Glas Orangensaft getrunken hatten, zeigten sich weniger Auswirkungen in der Lungenfunktion als bei Kindern, die keinen O-Saft tranken.

Die schlechte Nachricht: Feinstaub wirkt direkt auf die Gesundheit und es kann sich ihm niemand entziehen. Denn Atmen muss der Mensch. Staubpartikel, die kleiner sind als zehn Mikrometer (PM 10), dringen in die Bronchien ein, lagern sich in der Lunge ab und können dort Entzündungsreaktionen auslösen. Partikel, die kleiner als 2,5 Mikrometer sind, wie zum Beispiel Dieselruß, gelangen sogar bis in die Lungenbläschen und von dort ins Blut. Ultrafeine Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 Mikrometern stehen sogar im Verdacht, im Gehirn Schäden zu verursachen.

Illustration: istockphoto/pop_jop · Infografik: fairkehrDer aktuelle Report der Weltgesundheitsorganisation WHO offenbart, wie sich die Luftqualität auf die Gesundheit auswirkt: Luftverschmut­zung verkürzt das Leben im Durchschnitt um acht Monate – und um bis zu zwei Jahre an stark belasteten Hauptverkehrsstraßen. Deutschland liegt im europäischen Mittelfeld und deutlich über der WHO-Richtlinie.

„Feinstaub betrifft den gesamten Körper“, sagt Annette Peters, Direktorin des Instituts Epidemiologie II am Helmholtz-Zentrum in München. Die nachgewiesenen Erkrankungen reichen von Herz-Kreislauf-Beschwerden und Lungenfunktionsstörungen über Allergien bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfall.

Bereits erkrankte Menschen und Kinder sind besonders gefährdet. „Es gibt einen Zusammenhang von hoher Feinstaubbelastung und niedrigeren Geburtsgewichten. Und Tierversuche weisen darauf hin, dass Feinstaub Diabetes beeinflusst“, sagt Peters. Risiken wie Bewegungsmangel, Übergewicht und Rauchen wögen dabei allerdings schwerer als der Einfluss der Rußpartikel.

Grenzwerte sind lebenswichtig

Aber: Beim Feinstaub existiert keine Schwelle, unterhalb derer kein Risiko besteht. „Grenzwerte sind trotzdem wichtig“, sagt Peters, „weil die Politik Zahlen braucht, mit denen sie arbeiten kann.“ Die Weltgesundheitsorganisation gibt einen Richtwert von zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft für die kleineren Partikel und 20 Mikrogramm für die größeren vor. Der EU-Grenzwert liegt derzeit bei 25 Mikrogramm. Ein gesonderter Grenzwert für PM 2,5 von 20 Mikrogramm tritt erst ab 2015 in Kraft. Die USA sind mit einem Grenzwert für PM 2,5 von zwölf Mikrogramm schon einen Schritt weiter.

"Hätten wir Grenzwerte wie in den USA, müssten wir erheblich an den Abgasnormen schrauben. Und auch die Industrie, bei der sich schon viel verbessert hat, müsste sich weiter anstrengen“, sagt die Feinstaubforscherin. Eine Studie zu Europas Luftqualität zeigt: Unterhalb von zwölf Mikrogramm PM 2,5 liegen nur die skandinavischen Länder, und selbst dort sind die großen Städte ausgenommen. „Je niedriger die Grenzwerte, desto aufwändiger und damit teurer wird es, sie einzuhalten“, sagt Epidemiologin Peters. „Aber es lohnt sich, weil die Gesundheitsrisiken sinken und so an anderer Stelle weniger Kosten entstehen.“

Valeska Zepp

fairkehr 4/2019