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Kolumne 3/2017

Elektrische Kommunikation

Foto: djedzura/iSstockphoto.comKurzstrecke? Mit dem Auto? Wie vorgestern ist das denn?

Die gute Nachricht: Aachen wird ein Produktionsstandort der automobilen Zukunft. Und zwar mit der elektrischen Expertise der dortigen Technischen Hochschule RWTH. Wie jeder weiß, baut da die Post bereits den Streetscooter. Das ist ein elektrisches Zustellauto, das die Uni entwickelt und dann der gelben Post verkauft hat. Die Legende besagt: Die deutsche Auto­industrie war nicht in der Lage, das richtige Fahrzeug für Postboten zu konstruieren. Das Wunderbare: In Aachen bleibt es nicht beim elektrischen Postauto. Diese Woche bekam ich ein Angebot: Ich könne bereits heute einen elektrischen Kleinwagen bestellen, der ab 2018 ebenfalls in Aachen gebaut werde. Der „e.GO Life“ ist ebenfalls ein Spin-off der RWTH. Der Wagen soll nur 15 900 Euro kosten – vor Abzug der Elektrokaufprämie. Ein Elektroauto für 12 000 Euro netto? Das finde ich toll.

Die elektrische Kommunikation des Herstellers e.GO Mobile AG hat mich allerdings irritiert: Das kleine E-Auto soll nämlich ein Zweitwagen für die Stadt sein. Das Grundmodell wurde deshalb mit einer recht bescheidenen Reichweite von um die 100 Kilometer ausgestattet. Warum? In der e.GO-Verkaufsbroschüre berichtet die fiktive junge Mutter: „Mein typischer Tag ist geprägt von mindestens acht Kurzstreckenfahrten – meist für die Kinder. Mein e.GO Life versüßt mir jede Fahrt mit viel Fahrspaß. Er ist chic, spritzig und wendig. Die Kinder und ich lieben mein neues Auto. Und mein Mann: Wenn der abends nochmal kurz zum Sport fährt, lässt er den Großen stehen und schnappt sich mit breitem Grinsen meinen e.GO Life.“ Autsch! Das klingt nicht wirklich nach 2018. Erstens: schreckliches Männerbild! Hat einen „Großen“, fährt zum Sport, kutschiert aber nicht die Kinder. Zweitens: acht Kurzstrecken. Kurzstrecken sind kurz. Wieso mit dem Auto?! Und drittens: Elektroautos für die Stadt, wo die Musik doch auf dem Land spielt.

Nochmals: Ich wünsche dem Unternehmen alles Gute und hoffe, dass möglichst viele Leute von fossilen Kisten, die die Stadtluft verpesten, auf einen Kleinwagen mit Ökostrom umsteigen. Aber es gibt beim Marketing ein kleines Missverständnis. Elektroautos werden wohl nicht in der Stadt den Durchbruch schaffen als Einkaufszweitwagen, sondern auf dem Land als Pendlerfahrzeug. Und zwar bei Berufspendlern mit Garage, die ihren eigenen Strom laden können. Die bisher lausige städtische Ladeinfrastruktur spielt dort nämlich keine Rolle. Die Pendelstrecke zur Arbeit ist von besonderem Interesse. Die sollte eben nicht von Vati mit dem idiotischen „Großen“  gefahren werden, der jeden Tag viel Geld und fossilen Sprit verbrennt, sondern elektrisch und am städtischen Zielort emissionslos.

Viele Landeier pendeln heute durchaus 50 Kilometer und mehr in die Ballungsräume. Für sie ist der ÖPNV häufig wirklich keine Alternative. 100 Kilometer Reichweite sind dann zu wenig, wenn man in der Stadt kaum nachladen kann. Und so ein Wagen muss auch auf der Autobahn mithalten können.  Der e.GO ist beispielsweise auf 105 km/h beschränkt. Für Autobahnschnecken wie mich kein Problem. Für normale Leute, also für 99 Prozent der Bevölkerung, schon. Nochmals: Die Elektromobilität  wird nicht in der Stadt explodieren, sondern auf dem Land beim Photovoltaik-Pendler. Unter diesen tech-

nikaffinen Gutverdienern wird es genug Pioniere geben, sobald Preis und Reichweite stimmen. Mehr Sorgen mache ich mir um die politische Kommunikation in Richtung Industrie. Ich plädiere für eine deutliche staatliche Ansage: Spätestens 2030 muss Schluss sein mit der Zulassung von Benzin- und Dieselmotoren, und bis dahin braucht es Elektroquoten. Sonst fehlt den Autobauern die Investitionssicherheit für den Übergang ins elektrische Akku-Wasserstoffzeitalter. Welche Partei wird allerdings im Bundestagswahlkampf das Aus für Verbrenner fordern? Ich baue auf den VCD.

Martin Unfried

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fairkehr 3/2017

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