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Editorial 3/2017

Landlust statt Trumpfrust

Foto: Marcus GlogerMichael Adler, Chefredakteur

Meine Wut am Tag eins nach dem Ausstieg Donald Trumps aus dem Klimavertrag von Paris ist groß. Trump-Bashing raubt allerdings unnötig Energie. Ich glaube, dass das Problem Trump die Amerikaner selbst lösen müssen. Sicher ist, dass wir in Deutschland jetzt umso mehr gegen die Klimaerhitzung tun müssen. Deshalb wende ich mich dem weltpolitisch sehr vernachlässigten Titelthema unserer aktuellen fairkehr zu: dem Landverkehr. Ein Drittel der Deutschen lebt in ländlichen Regionen. Schon in den urbanen Räumen gelingt die Verkehrswende kaum. Aber die Landbewohner fahren praktisch überall mit dem Auto hin. Oft verfügen Landhaushalte sogar über zwei oder drei Autos. Die Erklärung für die automobile Fixierung: Anders geht das hier gar nicht.

Wenn wir es mit dem Klimaschutz ernst meinen, dann muss es auch auf dem Land anders gehen. Deutschland erreicht seine Klimaziele derzeit nicht, und einer der Hauptgründe sind wieder wachsende Emissionen im Verkehr. Es fehlt der Bundesregierung offenkundig ein „Masterplan klimaschonende Mobilität“.

Hier kommen meine Vorschläge für den Landverkehr: Wenn an der oft zitierten besseren Nachbarschaft auf dem Land etwas dran ist, dann sollte es doch auch kein Problem sein, Autos oder zumindest Autofahrten zu teilen. Im Durchschnitt teilen sich 10 bis 20 Städter ein Carsharing-Auto. Ich sehe keinen vernünftigen Grund, warum das auf dem Land nicht gehen sollte. Außerdem müssten Mitfahrgelegenheiten auf dem Land noch viel besser als im städtischen Umfeld funktionieren. Steuern doch Landbewohner häufig die gleichen Ziele an: das nächste Oberzentrum, in dem der Großteil arbeitet, den Supermarkt im nächsten Dorf, das eine Schwimmbad oder das eine Ärztezentrum. Die Abstimmung, wer wann fährt und wen mitnimmt kann virtuell organisiert werden oder analog beispielsweise über Mitfahrbänke.

Die größere Baustelle ist der Anschluss an den ÖPNV. Dazu braucht es merkbare Stundentakte in alle ländlichen Unter- und Oberzentren, ergänzt durch darauf abgestimmte Zubringerbusse aus den umliegenden Dörfern. Die dürfen gerne – wie in der Schweiz oder in Skandinavien – die Post mitnehmen. In gar nicht allzu ferner Zukunft können diese Kleinbusse mit lokalem Windstrom und autonom fahren. An Verbund- oder Landesgrenzen dürfen diese Angebote nicht mehr enden.

Das dritte Standbein einer klimaschonenden Landmobilität ist das Fahrrad. Wir brauchen Radnetze mit einem guten Standard, wie in Baden-Württemberg, und Abstellanlagen, die nicht aus verrostetem Wellblech bestehen, sondern modern und sicher sind. Dann sind 10 bis 15 Pedelec-Kilometer zum Bahnhof kein Hindernis mehr.

Ein Masterplan Mobilität muss Schluss machen mit dem Zuständigkeitsgerangel zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Höchste Zeit, dass wir auch Mobilität vom Klimaschutzziel her denken. Fangen wir einfach damit an.

Trump kann ja weiter mit einem spritschluckenden Chevrolet herumfahren. Ich hoffe nur, dass er damit so isoliert bleibt, wie er es im Moment ist.

Einen nicht zu heißen Sommer wünscht Ihnen

Michael Adler

fairkehr 4/2017

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