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Kolumne 1/2015

Foto: fotolia.com/vbalehaEin überdachter Radweg wär’ jetzt gut.

Solar Freaking Roadways

Meine Kinder denken, wir seien entweder arm oder ich sei irgendwie antiamerikanisch. Wir waren nämlich noch nie in Amerika, sind noch nie, wie die Mehrzahl anscheinend wohlhabender Bekannter und Verwandter, in die „Staaten“ geflogen und mit Blumen im Haar durch die Straßen von San Francisco gelaufen. Immer wenn jemand ruft, wir könnten doch mal, dann hole ich ein verstaubtes Argument aus dem Reisekoffer. In Bizau, Bezau, Begur und Bozen sei es doch auch schön. Das muss Antiamerikanismus sein. Nein, es ist Quatsch. Ich liebe die amerikanische und die Verfassung der älteren Julia Roberts. Es stimmt, ich kritisiere ab und zu am Esstisch den Einsatz von amerikanischen Drohnen gegen pakistanische Taxis, aber die Internet-Videothek Netflix finde ich dufte. Und ich habe sogar in der Tradition von Martin ­Luther King einen Traum: Ich werde an meinem 50. Geburtstag vor Gästen mit Band ein Lied von Udo Jürgens singen. „Ich war noch niemals in New York“. Und viele werden mich darum beneiden. Weil das ein cooles, postwachstumstechnisches, sehr optimistisches Statement ist in unserer an Fernreisen nicht armen Zeit. Warum erzähle ich das eigentlich?

Weil ich natürlich auch was Amerikanisches toll finden kann, ohne da gewesen zu sein. Ich bewundere beispielsweise Scott und Julie Brusaw aus Idaho. Idaho liegt, glaube ich, nicht unbedingt in der Nähe von Manhattan. Die beiden Brusaws (er mit Bart und Holzfällerhemd) sind die Erfinder der „Solar Freaking Roadways“. Kurz gesagt, das ist die Idee, „Straßen zu Kraftwerken“ zu machen – mit einem Belag aus Glas und Photovoltaik (PV). Klingt ganz schön „Freaking“. In Idaho sind die Brusaws im Prototypen-Crowdfunding-Stadium, haben aber jetzt Geld zusammen und wollen möglichst bald mit dem Allrad auf Solarmodulen rumfahren. Ist das nicht sympathisch amerikanisch? Wie sympathisch das ist, zeigen sie in einem lustigen Youtube-Filmchen, in dem das Wort „Solar Freaking Roadways“ ungefähr 233 mal erwähnt wird. Kein Wunder, zwei Millionen Dollar waren ruckizucki zusammen. Ich habe bereits überlegt, ob ich nicht doch mal nach Idaho fahren sollte, um die sympathischen Brusaws zu besuchen (Scherz). Schauen Sie sich einfach mal das Video auf Youtube an – Stichwort „Solar Freakin’ ­Roadways“ – und Sie wissen, was amerikanischer Optimismus „at its best“ ist.

Übrigens, ganz im Vertrauen, glaube ich, die Idee ist eher suboptimal. Im Asphalt sind Aufwand und Ertrag der PV-Module zu gering. Ich sage nur Unterhaltskosten! Bei uns in den Niederlanden gibt es übrigens bereits einen solaren Radweg in der Gemeinde Krommenie bei Amsterdam. Da kann man sogar längst drüberfietsen. Das Ganze heißt bescheiden „SolaRoad“ ohne Freaking und das Video (auf SolaRoad.nl) ist auch ein bisschen nüchterner, obschon ebenso optimistisch. Auch die „SolaRoad“ soll aus der Welt einen besseren Platz machen. Aber wie gesagt, die Idee, die PV-Module in den Straßenbelag zu legen, ist eigentlich Quatsch. Ich hatte vor Jahren die Idee des „Freaking Solar Bikeway with Freaking Roof“ entwickelt. Anders als in California haben wir hier in Westeuropa ab und zu ein echtes Regenproblem. Und deshalb braucht es bekanntlich solare Überdachung. Super Vorteil: Die Überdachung muss man nicht mal mehr erfinden. Module sind da und günstig, und ein ansprechendes Design für die Trägerkonstruktion müsste doch auch zu machen sein. Also wenn jemand Interesse an der Rettung der Welt hat und schnell reich werden will, der kann sich bei mir melden. „Freaking Solar Bikeway Roof!  – allerdings würde dem Unternehmen eine Spur amerikanischer Optimismus guttun. Der fehlt mir bekanntlich völlig.

Martin Unfried

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fairkehr 4/2016

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