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Kolumne 1/2013

Foto: iStockphoto.de/PeJo29Das Mainzelmännchen fährt bei „Wetten, dass ..?“ künftig nicht mehr im Audi vor.

Der Audi war keine Schleichwerbung

Es war immer der Höhepunkt für mich und meine Kinder bei „Wetten, dass ..?“: Thomas Gottschalk stand vor einer völlig überdimensionierten Steinzeitkarre und flötete was von „tollem Audi“, den der Wettkönig mit nach Hause nehmen könne. Das war so wenig subtil, dass niemand im Ernst behaupten konnte, das sei Schleichwerbung.

Für meine Kinder war der Audi-Moment bitter, da sie jeweils meinen minutenlangen Monolog ertragen mussten über den ökologischen Wahnsinn im Speziellen und diese öffentlich-rechtliche Werbesauerei an sich. Meine Kinder haben Recht, ich habe mich sehr häufig wiederholt in dieser Sache, was aber für ältere Leute typisch ist. Immerhin war das bei „Wetten, dass ..?“ eine Hammer-Werbung, und zwar zur Primetime.

Nun hat erstaunlicherweise wegen eines Spiegel-Aufmachers der ZDF-Intendant im Jahre 2013 plötzlich erkannt, das sei irgendwie nicht mehr zeitgemäß. In Zukunft gebe es diesen Sponsoring-Höhepunkt der Show nicht mehr. Als ich das las, musste ich laut lachen und weinen zugleich. Ich befürchte, das bedeutet vielleicht das Ende eines meiner liebsten Hobbys. Vor Jahren hatte ich einige Kolumen zum Thema „Gottschalk loves big cars“ geschrieben. Dabei ging es mir nicht so sehr nur um das Sponsoring an sich. Es versteht sich von selbst, dass diese Vermischung von Redaktionellem und Werbung völlig daneben war. Mir ging es eher um die Auswahl der Produkte. Es gab mal eine Wette mit einem VW Touareg, bei der die Rallyefahrerin Jutta Kleinschmidt mitmachte. Die trug einen schicken Overall mit einem riesen VW-Emblem und schlich werbend durchs Bild für diese Steinzeitkarre.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen präsentierte also in Zeiten der Klimakrise unbekümmert und fröhlich die dämlichsten Klimakiller-Kisten, die der Markt hergab. Dazu noch Kohle- und Atomstrom einer Eon-Tocher, den Zuschauer gewinnen konnten.

Vor Jahren schon schrieb ich deshalb sehr engagierte, aber höfliche Briefe an den Intendanten und an Fernsehräte in dieser Sache. Einmal bekam ich auch ein schönes Schreiben von der Rechtsabteilung. Da wurde in herrlichem Juristendeutsch erklärt, warum die Audi-Lobhudelei völlig im Rahmen der ZDF-eigenen Sponsoring-Richtlinien sei. Wenn meine Buchhaltung nicht so schlampig wäre, könnte ich daraus heute noch genüsslich zitieren.

Doch dann passierte vor wenigen Jahren etwas Erstaunliches: Mein politisches Engagement blieb nicht ohne Wirkung! Die Klimakiller wurden kleiner. Aus einem Audi-Rennwagen mit 250 PS wurde zumindest ein A1. Thomas Gottschalk lobte sogar einmal den sparsamen Verbrauch. Wow, das waren ganz neue Töne. Und noch etwas geschah: Der gute Atomstrom wurde als Sponsor abgelöst von solaren Carports der Firma Solarworld. Als an einem Samstagabend die blauen ­Module in der Sonne glitzerten und Thomas was vom solaren Elektroauto faselte, da standen mir die Tränen in den Augen. Sponsoring kann so schön sein.

Das war, wie gesagt, vor Jahren. Darum habe ich mich natürlich auch über den Spiegel-Artikel köstlich amüsiert. Der hat die alte Kamelle aus der Mottenkiste geholt. Allerdings nicht aus edlen, ökologischen Motiven, sondern weil man bei einigen Pressehäusern gerade gegen die öffentlich-rechtliche Gebührenreform schießt. Buuuuh. Das ist so subtil, dass man fast von einer Schleichkampagne sprechen könnte. Und Thomas Gottschalk? Hat von Mercedes angeblich nie eine Klimakiller-Limousine gratis zur Verfügung gestellt bekommen. Als Fan glaube ich sowieso, dass der Tommy im echten Leben nur Kleinwagen fährt.

Martin Unfried

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fairkehr 4/2016

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