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Titel 1/2017

Uns gehört die Straße!

Mit der erfolgreichen Kampagne „Erober dir die Straße zurück“ motiviert der VCD Bürgerinnen und Bürger, sich für nachhaltige Mobilität und lebenswerte Städte einzusetzen.

Foto: Lab van TrojeZiel der VCD-Kampagne: weniger Autos und ganz viel buntes Leben auf der Straße – wie hier im belgischen Gent.

Was macht Straßen für Menschen attraktiv? Wenig Verkehr, wenig Lärm, kaum Abgase, die Gewissheit, nicht überfahren zu werden. Außerdem Sitzgelegenheiten und viel Grün. Nimmt man die Zahl der Menschen, die sich draußen aufhalten, als Hinweis darauf, ob eine Straße attraktiv ist, fällt das Ergebnis für Deutschlands Städte ernüchternd aus: Nur wenige Straßen laden mit breiten Bürgersteigen und Außengastronomie zum Verweilen ein.

„Mit der Kampagne ‚Erober dir die Straße zurück‘ zeigen wir, welches Potenzial für die Lebensqualität in den Städten eine Verkehrspolitik hat, die nicht die Autos, sondern die Menschen in den Mittelpunkt stellt“, sagt Nicole Knaup, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim VCD. Die Kampagne besteht aus drei Elementen: einer Webseite, einem Leitfaden, der Anregungen für Bürger, Kommunalpolitiker und Stadtplaner enthält, und einer Toolbox für alle, die selbst aktiv werden wollen. Auf der Kampagnen-Webseite zeigt der VCD in Vorher-nachher-Bildern, wie sich Straßen und Plätze zum Positiven verändern, wenn Städte den Autoverkehr aussperren oder Straßen kindgerecht gestalten. Zudem erklärt der ökologische Verkehrsclub, wie Carsharing, mehr Radverkehr oder Tempo 30 unsere Innenstädte lebenswerter machen.

Was Politiker und was die einzelnen Bürger tun können, erläutert der Leitfaden: Dort finden Interessierte beispielsweise eine Anleitung, wie sie eine temporäre Spielstraße einrichten oder einen PARKing Day organisieren. Planer und Politiker erfahren, wie sie mit einfachen Piktogrammen Autofahrer für spielende Kinder sensibilisieren, Parkplätze für die Außengastronomie freigeben oder – nach dem Vorbild des Times Square in New York – Plätze autofrei gestalten können.

Die Toolbox liefert Werkzeuge, mit denen Bürger sich die Straße zurückerobern können. Sie sei ein voller Erfolg, so Nicole Knaup. Das Paket enthält neben dem Leitfaden unter anderem Papier-Aufkleber mit dem Slogan „Könnte schöner hier sein, oder?“, Rasensamen für mehr Grün, eine Fahrradschablone und eine Anleitung für Sprühkreide, damit Radler ihr Revier markieren können.

Die Rückeroberung läuft

Viele VCD-Gruppen waren bereits im Sinne der Kampagne aktiv (siehe auch Beispiele Seite 14 bis 21). Der VCD Rhein-Neckar sperrte bei der Aktion „Eine Verbindung blüht auf“ im Juni 2016 parkende Autos aus der Unteren Hauptstraße in Wiesloch bei Heidelberg aus. Auf den freien Parkplätzen stellten die VCD-Aktiven Pflanzenkübel, Sitzbänke, Fahrradständer und Infostände auf. Der VCD Brandenburg und der Kreisverband Mainfranken-Rhön zeigten in Kinos die Dokumentation „The Human Scale“ des Stararchitekten Jan Gehl, Eintritt frei. Der Film demonstriert, wie sich Städte lebenswert gestalten lassen.  

Der VCD wird die Kampagne „Erober dir die Straße zurück“ in ein eineinhalb Jahre dauerndes Projekt überführen, das im April startet – gefördert vom Umweltbundesamt. „Wir wollen Bürgerinitiativen, VCD-Aktive und engagierte Personen vernetzen“, sagt Nicole Knaup, die die Projektleitung übernehmen wird. „Unser Ziel ist es, eine Bewegung anzuregen, die sich von unten für eine nachhaltige städtische Mobilität starkmacht und so die Politik zum Umdenken bewegt.“

Benjamin Kühne

So viele Seiten mit Tipps und Aktionen hat der VCD-Leitfaden zur Rückeroberung der Straße. Dort finden Sie neben vielen nachahmenswerten Aktionen und Beispielen mit ausführlichen Beschreibungen auch Tipps und Ansprechpartner, wenn Sie selbst aktiv werden möchten.
Leitfaden herunterladen und die Toolbox bestellen: www.vcd.org/strasse-zurueckerobern

fairkehr 1/2019