fairkehr VCD-Magazin für Umwelt, Verkehr, Freizeit und Reisen

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Reise 1/2017

Suche: alternative Stadt

Städtetouristiker haben Besucher mit ökologischem Lebensstil noch nicht als wichtige Zielgruppe entdeckt. Da hilft nur eigene Recherche – fairkehr gibt Tipps für alternative Städtetrips.

Foto: Marcus Gloger

Das andere München

„Das Wichtigste in einer Stadt sind nicht die Läden, sondern die Leute“, sagt Amelie Bauer, die die zündende Idee hatte zu „Alternativ unterwegs“, einem Reiseführer mit vielschichtigem Blick auf München. Für das Buch hat die ehrenamtliche Redaktion Münchnerinnen und Münchner gefragt, was sie an ihrer Heimat gut finden, wo sie gern einkaufen, wie sie sich für eine lebenswerte Stadt engagieren und worüber sie sich wundern. So sind auf rund 300 Seiten Tipps und Ideen für den ökologischen Stadtbesuch zusammengekommen. Das Buch kostet 15 Euro plus Versand.
www.alternativ-unterwegs.de

Konsumkritisch durch Berlin

Eine Idee für die Klassenfahrt oder eine Familienreise in die Hauptstadt: per Smartphone eine Stadtrallye planen. Die Organisation „Brot für die Welt“ hat mit „Parcours Futur“ eine kostenfreie App (IOS und Android) für junge Leute entwickelt. Sie soll helfen, den eigenen Lebensstil zu hinterfragen und sich mit dessen Auswirkungen auseinanderzusetzen. Die App liefert Quizfragen und Mitmachaufgaben zu Ressourcen und Umwelt, Shoppen und Geld, Ethik und Entwicklungspolitik. Einmal registriert, können Nutzer ihren eigenen Parcours durch Berlin entwerfen oder auf vorgegebene Stadtrallyes zurückgreifen. Man kann allein losziehen oder mit einem Code andere Teilnehmer einladen – es können sogar mehrere Gruppen im Wettbewerb gegeneinander antreten.
www.parkourfutur.de

Audioabenteuer in der Schweiz

Die etwa zweistündigen Hörspaziergängen durch verschiedene Schweizer Städte vermitteln, was sonst verborgen bliebe: Die Auswirkungen des Klimawandels vor Ort und was die Stadt dagegen bereits unternimmt. Die Klimaschutzorganisation myclimate hat die kostenlosen Audiotouren mit Klimageschichten für Kinder und Erwachsene entwickelt. Es gibt sie für Zürich, Zermatt, Luzern, Bern, St. Gallen, Winterthur, Scuol, im Goms und für die Göscheneralp. Die Touristeninformationen vor Ort verleihen gratis Audioführer mit Karte. Oder man lädt sich die Audiodateien aufs Smartphone.
www.myclimate-audio-adventure.ch

Vorbild Kopenhagen

Die Tourismuszentrale Kopenhagen hat auf ihrer Internetseite einen eigenen Bereich „Sustainable Copenhagen“ eingerichtet mit vielen Infos über das nachhaltige Leben in der Stadt. Doch auch wer einfach drauflosgeht, findet in Kopenhagen umweltfreundliche Angebote. Die sind hier selbstverständlich: Mehr als 70 Prozent der Hotelzimmer sind ökozertifiziert und 17 Prozent der verkauften Lebensmittel stammen aus Bioanbau. Nur knapp ein Drittel der Bewohner besitzt ein Auto. Jeder zweite Kopenhagener fährt mit dem Rad zur Arbeit und in die Schule. Taxis transportieren Fahrräder, die man aber auch kostenlos in der S-Bahn mitnehmen darf.
www.visitcopenhagen.com
gogreencopenhagen.dk

Stadt im Wandel

Dem Vorbild des britischen Gründers der Transition-Bewegung Rob Hopkins folgend sind weltweit mehr als 400 Stadt-im-Wandel-Initiativen entstanden. Menschen setzen sich für lebenswertere Städte ein – mit alternativen Konzepten zum Wohnen, Essen und Wirtschaften. Die meisten Initiativen betreiben Internetseiten, auf denen auch Touristen alternative Angebote finden können. Manche Gruppen haben sogar eigene Stadtpläne entwickelt, in denen Parks, Gemeinschaftsgärten, selbstverwaltete Cafés, Bioläden, vegetarische Restaurants, faire Einkaufsmöglichkeiten, kleine Theater und Programmkinos verzeichnet sind. Internetsuche: Wunschstadt + „im Wandel“ oder „transition town“ eingeben

Slow Food

Manchmal verzweifelt man beim Städtetrip an der Frage „Wo kann ich gut, regional, gar vegan oder Bio essen gehen?“. Und landet dann doch an der nächsten Pommesbude oder im 08/15-Restaurant. Unser Tipp: einen Bioladen aufsuchen und nach den gewünschten Restaurants fragen. Oder im Internet nachschauen, ob es eine „Slow Food“-Gruppe in der Stadt gibt. Das internationale Netzwerk fördert eine verantwortungsvolle Landwirtschaft und Fischerei, artgerechte Viehzucht, traditionelles Lebensmittelhandwerk und die Bewahrung der regionalen Geschmacksvielfalt. Slow Food Deutschland hat gerade seinen Wegweiser für die regionale Küche – den Genussführer 2017/18 – herausgebracht, mit mehr als 500 getesteten und empfohlenen Gasthäusern, Restaurants, Fischkaten und Weinstuben. Er kostet 24,95 Euro (erschienen bei oekom).
www.slowfood.de

Valeska Zepp

fairkehr 5/2018