Reise 6/2006

Südtirol

Las Vegas Lodge

Wer die mit alpenländischem Kitsch überdekorierten Hotels nicht mehr sehen kann, ist hier richtig.

 
Foto: Uta Linnert  
Vor den steilen Wänden direkt an der Piste: Las Vegas Lodge  

Aus der Badewanne des Appartements im obersten Stockwerk geht der Blick durch die großen Fenster hinüber zum Sella Joch. Ein riesengroßer gelber Vollmond hängt am tintenblauen Abendhimmel. Die Sonne, die ihre letzten Strahlen über den Horizont blitzen lässt, hat die Felsen des Sellastocks himbeerrot gefärbt. Man muss schon sehr idylleresistent sein, um beim Anblick dieser Szene nicht ins Schwärmen zu geraten.

Ulli Crazzolara hat auf dem Piz Sorega oberhalb des Bergdorfes St. Kassian in den Dolomiten die Berghütte neu erfunden. Der Hotelier und Skilehrer hat hier im Dezember 2005 die Las Vegas Lodge eröffnet – ein Haus, das Restaurant, Lounge, Berg-Bar und Hotel in einem ist und etwa 30 Gästen in elf exklusiven Doppel- und Vierbettzimmern Herberge bietet. „Ich wollte einfach einen anderen Stil in die Berge bringen, für ein Publikum, das den geschnitzten und überdekorierten Kitsch leid ist, aber trotzdem Wert auf Naturmaterialien legt“, sagt Hüttenwirt Crazzolara.

Angebaut ist die Lodge an die alte Las-Vegas-Hütte, die ihren Namen der AmerikaVorliebe ihres Vorbesitzers verdankt. Das neue Haus ist einer Scheune der Ladiner nachempfunden, jenem Bergvolk, das in diesem Winkel Südtirols seit Jahrhunderten lebt. Schlichtes Lärchenholz und Dolomitengestein prägen die Fassade und versuchen, sich in Form und Farbe der Natur anzupassen. Tritt man ein, glaubt man nicht mehr, in den Bergen zu sein. Dunkler Steinboden und helles Eichenholz in klaren Linien beherrschen den offenen Raum. Ist das erste Staunen überwunden, lockt die große Feuerstelle im Eingangsbereich die Besucher ins Restaurant. Vor dessen weiß gedeckten Tischen holt ein großes, vor dem ganzen Raum geschwungenes Panoramafenster die Berge wieder in die Hütte. Eros Ramazzotti rieselt aus den Lautsprechern über der Bar, im Hintergrund röchelt die Espressomaschine – ohne den Ausblick könnte man genausogut in Rom sein.

Unter den Zimmern sind die Familienappartements mit Stiege zu den Einzelbetten im Giebel besonders schön. Hell geputze Wände, schlichte eingebaute Schränke aus Lärchenholz, dimmbare Lichtleisten, Naturstoffe in warmen Farben, offenes Bad. Nichts stört, alles passt. Selbst den Flachbildschirm verzeiht man den jungen Architekten. „Vielleicht wollen die Gäste, die von der Skisafari müde in den Federn liegen, mal beim Fernsehen entspannen und nicht nur links oder rechts auf die Gipfel schauen“, meint Ulli Crazzolara zum Thema TV.

 
Foto: Uta Linnert  
Geradliniges Design auf Wolkenhöhe und garantiert keine Geranien: Die Las Vegas Lodge will ein Publikum ansprechen, das Wert auf Naturmaterialien legt, aber nicht jedes Tischbein gedrechselt haben will.  

Trotz des coolen Designs bietet Las Vegas familiäre Atmosphäre und Heimat für die Kinder – mit Ullis Hilfe machen sich die Gäste schnell bekannt. Der Wirt kennt alle Wanderwege, arrangiert Mountainbiketouren, organisiert Skilehrer, bringt Groß und Klein beim Tischtennisturnier im Keller zusammen oder plaudert an der Bar – auf Deutsch, Ladinisch oder Italienisch. Je nachdem woher sich die Urlauber hier hinauf verirrt haben, denn noch ist die Hütte einer der Geheimtipps, die man am liebsten gar nicht preisgibt.

Uta Linnert

   
  Las Vegas Lodge, 2050 m, Piz Sorega 15, I-39030 S. Cassiano (BZ) Alta Badia, Tel. 0039 (0)471 840138, Fax 0039 (0)471 840906. www.lasvegasonline.it
Die Hütte liegt im Winter- und Sommerwandernetz von Alta Badia und mitten im Skigebiet. www.altabadia.it, www.dolomitisuperski.com
Preise: Ab 66 Euro pro Person im Doppelzimmer, inklusive Halbpension, Kinderermäßigung.
Anreise: Über München bis Bruneck (www.bahn.de), von dort noch 38 km mit Taxi oder Bus (www.sii.bz.it) bis St. Kassian. Von dort 10 Minuten Seilbahnfahrt auf den Piz Sorega. Hinaufwandern kann man natürlich auch.
   
 

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