Titel 5/2004BahnagenturenService soll siegenBahnagenturen bieten einen besonderen Service: Sie nehmen sich Zeit, beraten ausführlich und finden selbst für komplizierte Reisewünsche die günstigste Verbindung. Damit ist es vorbei, wenn die DB die Provisionen kürzt.
Wir bekommen sogar noch den Sparpreis“, sagt Frau Dotterweich, nachdem sie schnell die Tage für den Buchungszeitraum mit den Fingern abgezählt hat. Sie freut sich für ihren Kunden am Telefon. „Soll ich Ihnen das Ticket für diese Verbindung ausstellen?“ Kurz darauf surrt der Drucker – Fahrschein in nur wenigen Minuten erfolgreich verkauft. Nahverkehrstickets, BahnCard-Anträge, Reisen nach Florenz oder Berlin: Per Telefon und vor Ort organisieren die Mitarbeiter der Bahnagentur Gleisnost in Freiburg alles, was die Kunden rund ums Bahnfahren wünschen. Selbst für exotische Reisen durch Russland oder kombinierte Bahn-Schiffsreisen finden sie die günstigsten Verbindungen und Preise. Geld verdient die Agentur aber mit den einfachen, schnell gebuchten Fahrscheinen, zum Beispiel für Geschäftsreisen oder Wochenendausflüge. Die Bahnagentur lebt von den Provisionen, die ihr die Deutsche Bahn AG fürs Verkaufen zahlt. „Beratung und Service sind uns ganz wichtig – auch wenn es nicht gleich zum Fahrkartenkauf kommt“, erklärt Gleisnost-Gründer Siegfried Klausmann.
Im Agenturbüro am Stadttheater in Freiburg wirkt alles aufgeschlossen, freundlich und gelassen: der Raum, die Mitarbeiter und die Kunden. „Das ist mir als erstes bei der Arbeit für Gleisnost aufgefallen. Die Menschen kommen hier so freundlich rein. Das hab’ ich in fünf Jahren bei der Bahn nicht erlebt“, erzählt Sonja Acis und lacht. Die 24-Jährige arbeitet seit einem Jahr in der Freiburger Bahnagentur. Sie hat bei der DB eine Ausbildung gemacht und im Reisezentrum am Hauptbahnhof gearbeitet. „Dort war es immer stressig und hektisch. Viele Kunden kamen mit Beschwerden und ließen einfach ihren Bahnfrust bei mir ab. Da hab ich das Freundlichsein erstmal verlernt“, erzählt die junge Frau. „Aber hier kommen die Leute gerne hin. Sie wissen, dass wir gut sind.“ Die Kunden bestätigen das: „Hier muss ich nie lange warten und werde zuverlässig und freundlich bedient“, berichtet eine ältere Dame. Ein anderer Kunde erzählt von seinen Erfahrungen am Hauptbahnhof: „Ich wollte am Automat ein Ticket nach Hamburg buchen – aber mit Umwegen und Sparpreis. Als ich gemerkt habe, dass das komplizierter wird, bin ich doch lieber hierher gekommen.“ „Toll“ findet er vor allem, dass er bei der Beratung und beim Warten sitzen kann. Hier werde man nie von einer grollenden Warteschlange hinter sich unter Druck gesetzt.
Am Stadtrand von Freiburg hat Gleisnost seinen Ursprung. Mit der privaten Übernahme des Bahnhofs Littenweiler hat Klausmann vor zehn Jahren mit dem Fahrkartenverkauf für die Bahn auf Provisionsbasis angefangen. „Als erstes haben wir damals das Serviceangebot auf den Stand des 20. Jahrhunderts gebracht. Wir haben die Abfertigung durch kleine Löcher am Schalter abgeschafft und stattdessen die Schreibtische offen in den Wartesaal gestellt“, erzählt der Geschäftsführer von Gleisnost. Kurz vor dem Aus Außerdem habe er das Angebot erweitert und auch Fahrkarten ins Ausland sowie Reservierungen verkauft. „Allein durch diese kleinen Veränderungen hat sich der Umsatz im ersten Monat verdoppelt, trotz kürzerer Öffnungszeiten“, berichtet Klausmann stolz. Fünf Jahre später war seine Bahnagentur so erfolgreich, dass er die Zweigstelle am Stadttheater in der Freiburger Innenstadt eröffnen konnte. Kunden- und Umsatzzahlen sind heute so gut, dass er 15 Mitarbeiter beschäftigen kann. Trotzdem steht Gleisnost, genau wie viele andere Bahnagenturen und Reisebüros mit Bahnlizenz, kurz vor dem Aus. Die DB hat den Agenturen in diesem Jahr die Verträge gekündigt und bietet für die neuen viel niedrigere Provisionen an. Bis 2003 gab es durchschnittlich zwölf Prozent fürs verkaufte Ticket. Jetzt will die Bahn nur noch sechs bis sieben Prozent zahlen. „Wenn das wirklich durchgesetzt wird, lohnt sich unser Geschäft nicht mehr, dann müssen wir schließen“, erklärt Klausmann. Beratungsgebühren zu verlangen kommt für den engagierten Fahrkartenverkäufer ebensowenig in Frage wie den Service zurückzufahren, wie die Bahn es gerade vormacht. Valeska Zepp Guten Bahnservice finden Sie unter www.gleisnost.de,
Tel.: (0761) 383031 oder direkt im Bahnhof Littenweiler in
Freiburg. Eine kleine Auswahl weiterer bewährter Bahnagenturen:
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