Pioniererfolge
Erste Erfolgsbeispiele aus unterschiedlichen Branchen zeigen, dass es geht: Star der Szene ist „Nivea vital“. Hier ist es in
langjähriger Zusammenarbeit mit der Zielgruppe gelungen, ein Kosmetikprodukt zu platzieren, das nicht mit vollmundigen Anglizismen
faltenfreie Schönheit verspricht. Der erfahrenen Kosmetiknutzerin wird lediglich gepflegtes Aussehen in Aussicht gestellt. Bei der
Detailarbeit wurde nichts ausgeschlossen: Die Packungsaufschriften sind aus der Entfernung lesbar, die Nachtcreme hat einen dunkelblauen
Deckel mit Mondmotiv, die Tagescreme einen weißen mit Sonne. Hier findet sich die intuitive Bedienbarkeit, die die Anbieter anderer
Produkte immer versprechen. Der Erfolg der Serie ist nicht zuletzt an der Zahl der Nachahmer zu messen: Als „vital“ verkauft
sich mittlerweile so manche Kosmetikserie.
Konsequenzen für das Marketing
Ein weiteres Beispiel für erfolgreiches Seniorenmarketing hält der Reiseveranstalter TUI bereit, der in umfangreichen Studien
die Reisemotive der 60plus-Touristen ergründet hat. Vier von fünf Senioren möchten nicht in einem Seniorenhotel Urlaub machen.
Daher geht TUI auf die Bedürfnisse der Zielgruppe ein und weist bei geeigneten Hotels auf Schlüsselaspekte hin, die für Senioren
von erheblicher Bedeutung sind. „Tradition“, „Komfort“, „persönlicher Service“ sind die Botschaften,
„Kaffee und Kuchen am Nachmittag“ und „Abendessen, das ab 18 Uhr am Tisch serviert wird“ einige der Dienstleistungen,
mit denen die für Senioren attraktiven Häuser im Katalog werben. Spitzenreiter dieser Hotels kommen auf eine 60plus-Quote von
fast zwei Dritteln, ohne dass sich ein Gast in einem Seniorenhotel wähnt.
Anbieter, die sich der Zielgruppe 60plus zuwenden wollen, müssen vor allem folgendes beachten: Der Gebrauchsnutzen von Produkten wird
wichtiger werden als die emotionale Besetzung, die einfache Bedienung wichtiger als technische Raffinessen. Nicht der Produktspezialist
wird künftig das Produktkonzept ausarbeiten; der Kundenspezialist wird definieren, was bei einem technischen Produkt wirklich erforderlich
ist. Das „Komforttelefon“ wird sich nicht mehr durch eine unüberschaubare Vielzahl technischer Möglichkeiten, sondern
durch intuitive Bedienbarkeit auszeichnen.
Außerdem wird das Direct Marketing an Bedeutung zunehmen. Ältere Menschen reagieren besonders positiv auf persönliche
Ansprache – mündlich, aber auch schriftlich. Sie nehmen sich Zeit, um sich mit Produkten auseinanderzusetzen. Die „Nivea
vital“-Produktmanagerinnen berichten, dass bei ihnen sogar Gedichte von zufriedenen Kundinnen eingehen. Der Dialog ist zwar ein teures
und personalintensives Unterfangen, wird aber durch hohe Markenloyalität honoriert.
Wenn die alte Weisheit stimmt, dass sich gleich und gleich gern gesellt, dann kann man künftig davon ausgehen, dass zunehmend Verkäufer
an die Kunden gebracht werden, die mit der Zielgruppe harmonieren – weil sie selber dazugehören. Ein McDonalds-Spot zeigt, wie
das aussehen kann: Ein rüstiger Rentner wird als Hamburger-Verkäufer eingestellt. Sein Fazit am Ende eines erfolgreichen Tages:
Er könne sich gar nicht vorstellen, wie man vorher ohne ihn zurechtgekommen sei.
Senioren im Mainstream
Erfahrung wird zur gesellschaftlichen Norm werden und den Wert Jugend ablösen. Auch im Marketing-Management wird ein Umdenkungsprozess
stattfinden – da Produktmanager ihrer Zielgruppe angehören sollen, wird es mehr über 50-jährige Produktmanager geben.
Der Megatrend ist also unübersehbar: 60plus über alles. Und das ist es, worauf unser Bundespräsident auch hingewiesen hat:
Bei aller Unsicherheit über die künftige Entwicklung ist eines festzuhalten: Die Zukunft gehört den Menschen mit Vergangenheit,
dem Mainstream-Segment 60plus.
Alexander Leschinsky
Alexander Leschinsky ist Personalberater bei der Unternehmensberatung Kienbaum & Partner in Hannover. Da er selbst
der Generation 50plus angehört, ist es ihm ein besonderes Anliegen, ältere, erfahrene Führungskräfte an Firmen zu vermitteln.
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